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Andrologie und Männergesundheit

Hodenschmerzen: Ursachen und wann ist es ein Notfall?

Mögliche Ursachen von Hodenschmerzen, die Anzeichen einer Hodentorsion und in welchen Fällen Sie ohne Zeitverlust in die Notaufnahme sollten.

Op. Dr. Mücahit Kabar
Op. Dr. Mücahit Kabar · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die wichtigste Ursache von Hodenschmerzen ist die Hodentorsion, bei der sich der Hoden um die eigene Achse dreht und die Blutversorgung unterbrochen wird; plötzlich einsetzende starke Schmerzen sind ein Notfall und können innerhalb von Stunden eine Operation erfordern. Bei langsamer zunehmenden Schmerzen sind eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) oder Hodenentzündung (Orchitis) häufig. Auch Varikozele, Verletzungen, Leistenbruch und Nierensteine können Schmerzen im Hodenbereich verursachen.

Hodenschmerzen können sich ganz unterschiedlich äußern – von einem leichten Unbehagen bis zu unerträglichen Schmerzen. Ein Teil der Ursachen ist harmlos, doch plötzlich einsetzende, starke Hodenschmerzen sind ein Notfall, bei dem jede Stunde zählt. In diesem Beitrag erklären wir die Ursachen von Hodenschmerzen und wann Sie ohne Abwarten ärztliche Hilfe suchen sollten.

Was verursacht Hodenschmerzen?

Es hilft, die Ursachen danach zu ordnen, wie der Schmerz begonnen hat.

Plötzlich und heftig einsetzende Schmerzen:

  • Hodentorsion (Verdrehung des Hodens)
  • Torsion eines Hodenanhangs (Appendix testis), vor allem bei Kindern
  • Stoß oder Schlag auf den Hoden (Verletzung)

Schmerzen, die über Stunden oder Tage zunehmen:

  • Epididymitis und Orchitis (Entzündung von Nebenhoden und Hoden)
  • Eingeklemmter Leistenbruch

Anhaltende, dumpfe Schmerzen oder Schweregefühl:

  • Varikozele (Erweiterung der Hodenvenen)
  • Hydrozele (Flüssigkeitsansammlung um den Hoden); meist schmerzlos, kann mit zunehmender Größe ein Schweregefühl verursachen
  • Chronische Hodenschmerzen, Schmerzen nach einer Vasektomie
  • Ausstrahlende Schmerzen von einem Bandscheibenvorfall oder einem Nierenstein

Was ist eine Hodentorsion, und wie erkennt man sie?

Bei einer Hodentorsion dreht sich der Hoden um seine eigene Achse; die versorgenden Blutgefäße werden abgedreht, und die Durchblutung wird unterbrochen. Wird die Durchblutung nicht wiederhergestellt, kann das Hodengewebe dauerhaft geschädigt werden. Die Chancen, den Hoden zu retten, sind bei einem Eingriff in den ersten Stunden, vor allem innerhalb der ersten 6 Stunden, deutlich höher.

Anzeichen, die an eine Torsion denken lassen:

  • Plötzlich einsetzende, starke, meist einseitige Hodenschmerzen
  • Schmerzen, die manchmal nachts aus dem Schlaf wecken
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Der Hoden ist geschwollen, gerötet und steht höher als normal
  • Ausstrahlung der Schmerzen in den Unterbauch oder die Leiste

Eine Torsion tritt am häufigsten in der Pubertät auf, kann aber auch bei Neugeborenen und Erwachsenen vorkommen. Kinder und Jugendliche beschreiben die Schmerzen aus Scham oft als Bauchschmerzen; bei Jungen mit plötzlichen Bauchschmerzen sollten die Hoden daher immer mituntersucht werden. Zu Hodenproblemen bei Kindern lesen Sie auch unsere Seite Kinderurologie.

Bei starkem Verdacht auf eine Torsion wird keine Zeit mit der Diagnostik verloren; eine farbkodierte Doppler-Sonographie kann helfen, doch bei hohem klinischem Verdacht wird der Hoden ohne Abwarten operativ zurückgedreht und fixiert, damit er sich nicht erneut verdreht. Meist wird in derselben Operation auch der Hoden der Gegenseite fixiert.

Was sind Epididymitis und Orchitis?

Die Epididymitis ist eine Entzündung des Nebenhodens (Epididymis), des hinter dem Hoden gelegenen Gangs, in dem die Spermien reifen; breitet sich die Entzündung auf den Hoden aus, spricht man von einer Epididymoorchitis. Die Schmerzen nehmen meist langsamer zu als bei einer Torsion, über Stunden oder Tage. Schwellung, Rötung, Fieber und Brennen beim Wasserlassen können hinzukommen.

  • Bei jungen, sexuell aktiven Männern stehen meist sexuell übertragbare Infektionen,
  • bei älteren Männern Harnwegsinfektionen und Prostataprobleme

im Vordergrund. Zur Behandlung gehören ein geeignetes Antibiotikum, Schonung, Hochlagerung des Hodens und Schmerzmittel. Wenn nötig, muss auch die Partnerin oder der Partner behandelt werden. Eine Orchitis nach Mumps kann vor allem nach der Pubertät auftreten.

Welche Schmerzen verursachen Varikozele und andere Ursachen?

Eine Varikozele tritt meist links auf; sie verursacht einen dumpfen Schmerz oder ein Schweregefühl, das bei langem Stehen oder nach körperlicher Belastung zunimmt und im Liegen nachlässt. Bei manchen Männern kann sie mit Unfruchtbarkeit zusammenhängen.

Ein Leistenbruch kann bis in den Hodensack reichen. Klemmt der Bruch ein, nehmen die Schmerzen zu, und die Schwellung lässt sich nicht mehr zurückschieben; dies ist dringend.

Die Schmerzen eines Nieren- oder Harnleitersteins können in den Hoden ausstrahlen; in diesem Fall ist der Tastbefund am Hoden meist normal, und der Schmerz zieht wellenförmig von der Flanke in die Leiste. Details finden Sie in unserem Beitrag Nierenschmerzen erkennen.

Verursacht Hodenkrebs Schmerzen?

Hodenkrebs fällt meist als schmerzlose, tastbare Verhärtung oder Vergrößerung des Hodens auf. Manchmal können ein Schweregefühl oder leichte Schmerzen bestehen. Da er bei jungen Männern zwischen 15 und 40 Jahren häufiger vorkommt, wird empfohlen, die Hoden einmal im Monat nach einer warmen Dusche selbst abzutasten. Details finden Sie auf der Seite Hodenkrebs.

Wie tastet man die Hoden zu Hause ab?

Die Selbstuntersuchung dauert nur wenige Minuten und gelingt am leichtesten nach einer warmen Dusche, wenn die Haut des Hodensacks entspannt ist:

  1. Rollen Sie jeden Hoden einzeln vorsichtig zwischen Daumen und den übrigen Fingern beider Hände.
  2. Achten Sie darauf, ob die Oberfläche glatt und die Konsistenz gleichmäßig ist. Ein leichter Größenunterschied zwischen beiden Hoden ist normal.
  3. Die weiche, gewundene Struktur hinten oben am Hoden ist der Nebenhoden; sie ist normal und sollte nicht mit einem Knoten verwechselt werden.
  4. Prüfen Sie, ob ein harter Knoten, eine Vergrößerung, eine Formveränderung oder ein Schweregefühl im Hodensack vorliegt.
  5. Im Stehen tastbare Gefäße im Hodensack, die sich wie ein „Beutel voller Würmer“ anfühlen, können auf eine Varikozele hinweisen.

Wenn Sie eine neue Veränderung bemerken, lassen Sie sie von einem Urologen ansehen, bevor Sie sich Sorgen machen. Ein erheblicher Teil der tastbaren Schwellungen sind gutartige Befunde wie Zysten oder eine Hydrozele; die Unterscheidung gelingt jedoch nur durch Untersuchung und Ultraschall.

Wann sollten Sie sofort in die Notaufnahme?

Suchen Sie in folgenden Fällen ohne Abwarten eine Notaufnahme auf:

  • Plötzlich einsetzende, starke Hodenschmerzen (vor allem mit Übelkeit und Erbrechen)
  • Der Hoden ist geschwollen, verhärtet oder wirkt nach oben gezogen
  • Anhaltende Schmerzen, Schwellung oder Blutergüsse nach einem Stoß gegen den Hoden
  • Hodenschmerzen mit hohem Fieber und deutlicher Abgeschlagenheit
  • Eine Schwellung in der Leiste lässt sich nicht zurückschieben, und die Schmerzen nehmen zu

Auch wenn die Schmerzen von selbst nachlassen, ist eine Torsion damit nicht sicher ausgeschlossen; der Hoden kann sich spontan zurückdrehen und erneut verdrehen. Solche plötzlichen Schmerzattacken müssen daher unbedingt abgeklärt werden.

Wann sollten Sie einen Urologen aufsuchen?

Hodenschmerzen, die länger als einige Tage anhalten oder wiederkehren, eine tastbare Verhärtung oder Schwellung am Hoden, ein Schweregefühl, das im Stehen zunimmt, sowie Hodenbeschwerden in Verbindung mit unerfülltem Kinderwunsch erfordern eine urologische Untersuchung.

Op. Dr. Mücahit Kabar empfängt Patienten in Bursa (Nilüfer), Türkei, im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (werktags 08:30–12:00 Uhr, +90 444 8 112) und im Özel Jimer Hastanesi (werktags 13:00–17:00 Uhr, +90 444 45 67). Termine buchen Sie über die Online-Terminbuchung oder die Terminhotline des jeweiligen Krankenhauses. Die Sprechstunde findet auf Englisch oder Türkisch statt; die Abteilungen für internationale Patienten der Kliniken organisieren bei Bedarf einen Dolmetscher. Fragen und vorhandene Befunde können Sie vorab per WhatsApp (+90 541 622 54 82) senden – in Notfällen wie plötzlichen Hodenschmerzen wählen Sie jedoch die 112 oder gehen Sie in die nächste Notaufnahme. Alle Kontaktdaten finden Sie auf der Kontaktseite.

Häufige Fragen

Woran erkennt man eine Hodentorsion?

Bei einer Torsion beginnen die Schmerzen meist plötzlich und heftig, manchmal wecken sie aus dem Schlaf. Häufig kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu; der Hoden kann anschwellen und höher stehen als normal. Bei diesen Anzeichen sollten Sie ohne Abwarten eine Notaufnahme aufsuchen.

Kommt eine Hodentorsion nur bei Kindern vor?

Nein. Am häufigsten tritt sie in der Pubertät und bei Neugeborenen auf, sie kann aber in jedem Alter vorkommen. Auch bei Erwachsenen muss bei plötzlichen Hodenschmerzen unbedingt an eine Torsion gedacht werden.

Ist eine tastbare Verhärtung am Hoden wichtig, wenn sie nicht schmerzt?

Ja. Hodenkrebs fällt meist als schmerzlose Verhärtung oder Schwellung auf. Jede neu bemerkte Verhärtung am Hoden sollte von einem Urologen abgeklärt werden, auch wenn sie nicht schmerzt.

Wenn ich lange stehe, habe ich ein Schweregefühl im Hoden. Woran liegt das?

Ein solcher dumpfer Schmerz mit Schweregefühl kann ein typisches Zeichen einer Varikozele sein; im Liegen lässt er meist nach. Die Abklärung erfolgt durch eine Untersuchung und eine farbkodierte Doppler-Sonographie.

Diese Seite wurde von Op. Dr. Mücahit Kabar zur allgemeinen Information erstellt und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Welche Diagnostik und Behandlung für Sie geeignet ist, wird nach Untersuchung und Befunden festgelegt.

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