Was ist die perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL)?
Die perkutane Nephrolitholapaxie, kurz PCNL (im Türkischen PNL), ist eine minimalinvasive (endoskopische) Operation zur Behandlung großer Nierensteine. „Perkutan“ bedeutet „durch die Haut“, „Nephrolitholapaxie“ die Zertrümmerung und Entfernung von Steinen aus der Niere. Über einen etwa 1 cm großen Kanal in der Flanke wird ein Endoskop (Nephroskop) in die Niere eingeführt; der Stein wird unter Sicht zertrümmert, und die Fragmente werden über diesen Kanal entfernt.
Früher wurden große Nierensteine offen operiert; heute wird die große Mehrheit dieser Steine mit der PCNL behandelt. Weil sie bei großen Steinen eine hohe Steinfreiheit in einer Sitzung ermöglichen kann, steht sie in den Leitlinien im Vordergrund.
Wann wird die PCNL eingesetzt?
Die Wahl der Behandlung richtet sich nach Größe, Lage und Härte des Steins, der Anatomie der Niere und dem Allgemeinzustand. Häufige Indikationen für die PCNL:
- Nierensteine über 2 cm
- Ausgusssteine (Korallensteine), die sich verzweigt im Hohlsystem der Niere ausbreiten
- Steine, die mit ESWL oder RIRS nicht entfernt werden konnten
- Große Steine in der unteren Kelchgruppe, bei denen nach einer ESWL kein Abgang der Fragmente zu erwarten ist
- Ausgewählte Steine hinter einer Engstelle in der Niere oder in einer Aussackung (Kelchdivertikel)
Bei Nieren in ungewöhnlicher Lage (zum Beispiel einer ektopen Beckenniere) kann die PCNL bei geeigneten Patienten auch laparoskopisch unterstützt erfolgen. Da bei solchen Nieren Darmschlingen vor der Niere liegen können, soll der Zugangsweg unter laparoskopischer Sicht sicher angelegt werden. Jede anatomische Besonderheit der Niere wird gesondert beurteilt und die Behandlung entsprechend geplant.
Für wen ist die PCNL möglicherweise nicht geeignet?
Eine unbehandelte Harnwegsinfektion, eine nicht korrigierte Gerinnungsstörung, Blutverdünner, die nicht abgesetzt werden können, sowie eine Schwangerschaft sprechen gegen eine PCNL. Eine Infektion wird vorher behandelt; Blutverdünner werden in Absprache mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt vorübergehend abgesetzt. In diesen Fällen können auch andere Verfahren wie die RIRS geprüft werden.
Vorbereitung auf die Operation
- Computertomografie ohne Kontrastmittel: Größe und Lage des Steins sowie die Beziehung der Niere zu den Nachbarorganen werden beurteilt; danach wird der Zugangsweg geplant.
- Urinuntersuchung und Urinkultur: Eine Infektion wird vor der Operation behandelt.
- Blutuntersuchungen: Blutbild, Gerinnungswerte und Nierenfunktion werden kontrolliert.
- Narkosevorbereitung und Überprüfung der eingenommenen Medikamente.
Wie läuft eine PCNL ab?
- In Vollnarkose wird zunächst über die Harnwege ein dünner Katheter in die betroffene Niere eingelegt.
- Je nach OP-Plan wird der Patient in Bauch- oder Rückenlage gebracht.
- Unter Röntgen- (Durchleuchtungs-) und/oder Ultraschallkontrolle wird mit einer dünnen Nadel von der Flanke aus in die Niere punktiert.
- Dieser Zugang wird schrittweise so weit aufgedehnt, dass das Nephroskop hindurchpasst.
- Der Stein wird mit Laser-, Ultraschall- oder pneumatischer Energie zertrümmert, und die Fragmente werden entfernt.
- Die Niere wird kontrolliert, und die Operation wird je nach Bedarf mit Nephrostomiekatheter, Doppel-J-Schiene oder schlauchlos beendet.
Was ist die Mini-PCNL?
Die Mini-PCNL ist eine PCNL mit dünneren Instrumenten und einem schmaleren Zugangskanal. Sie kann bei geeigneten Patienten, vor allem bei mittelgroßen Steinen, gewählt werden. Da sich die OP-Zeit bei großen Steinen mit schmalerem Kanal verlängern kann, richtet sich die Wahl nach den Eigenschaften des Steins.
Nephrostomie und schlauchlose (tubeless) PCNL
Klassischerweise wird am Ende der Operation ein dünner Nephrostomiekatheter belassen, der den Urin aus der Niere über die Flanke nach außen ableitet. Bei geeigneten Patienten mit geringer Blutung, vollständiger Steinentfernung und ohne Bedarf für einen weiteren Zugang kann die Operation ohne Schlauch (tubeless) oder nur mit einer Doppel-J-Schiene beendet werden. Diese Entscheidung fällt während der Operation.
Erholung
- Der Krankenhausaufenthalt beträgt in der Regel 1–3 Tage.
- Ein Nephrostomiekatheter wird meist vor der Entlassung entfernt; die kleine Öffnung schließt sich rasch.
- In den ersten Tagen können leichtes Blut im Urin und Druckempfindlichkeit in der Flanke auftreten.
- Büroarbeit ist meist nach 1–2 Wochen wieder möglich; schweres Heben und anstrengender Sport werden später geplant.
- Wurde eine Doppel-J-Schiene eingelegt, wird der Entfernungstermin bei der Entlassung festgelegt.
- Ob Reststeine vorhanden sind, wird mit einer Kontrollbildgebung beurteilt.
Worauf sollten Sie zu Hause achten?
- Trinken Sie über den Tag verteilt reichlich; Ziel ist ein heller Urin.
- Wechseln Sie den Verband an der Katheterstelle wie empfohlen; halten Sie die Stelle sauber und trocken.
- Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben, Pressen und anstrengenden Sport.
- Klären Sie unbedingt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wann Sie Blutverdünner wieder einnehmen dürfen.
- Halten Sie die Termine zur Schienenentfernung und Kontrolle ein.
Vorteile und Grenzen der PCNL
Der wichtigste Vorteil der PCNL ist die hohe Steinfreiheit in einer Sitzung bei großen und verzweigten Steinen. Da die Fragmente entfernt werden, muss nicht auf ihren Abgang mit dem Urin gewartet werden. Im Vergleich zur offenen Operation ist der Schnitt sehr klein; Schmerzen, Blutverlust und Erholungszeit sind geringer.
Gleichwohl ist die PCNL ein umfangreicherer Eingriff als die schnittfreien Verfahren. Sie erfordert eine Vollnarkose, der Krankenhausaufenthalt ist etwas länger als bei der RIRS, und das Blutungsrisiko ist höher. Bei kleinen Steinen ist sie meist nicht die erste Wahl; hier reichen ESWL oder RIRS oft aus. Die Methode wird gemeinsam mit Ihnen unter Abwägung dieser Vor- und Nachteile gewählt.
Mögliche Risiken
Die PCNL ist ein wirksames und etabliertes Verfahren bei großen Steinen, aber umfangreicher als die schnittfreien Methoden. Mögliche Risiken:
- Blutung: das wichtigste Risiko. Sie hört meist von selbst auf; selten sind eine Bluttransfusion oder ein weiterer Eingriff nötig.
- Fieber und Infektion: vor allem bei Infektsteinen; Behandlung mit Antibiotika.
- Urinaustritt: vorübergehend kann Urin an der Katheterstelle austreten.
- Verletzung von Nachbarorganen: Verletzungen von Darm, Rippenfell oder Milz sind selten; durch die Planung mit Computertomografie soll dieses Risiko verringert werden.
- Reststeine: bei großen und verzweigten Steinen kann ein zweiter Eingriff (PCNL, RIRS oder ESWL) nötig sein.
Bei hohem Fieber, zunehmenden Flankenschmerzen oder starker Blutung mit Gerinnseln im Urin nach der Entlassung sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Nachsorge und Vorbeugung
Bei Patienten mit großen Steinen kann das Rückfallrisiko höher sein. Wichtig sind die Analyse des entfernten Steins, bei Bedarf eine Stoffwechselabklärung mit Blut- und 24-Stunden-Sammelurin sowie eine ausreichende Trinkmenge. Da ein Teil der Ausgusssteine mit Infektionen zusammenhängt, gehört auch die Kontrolle von Harnwegsinfektionen zur Behandlung. Empfehlungen zur Vorbeugung finden Sie auf der Seite zur Nierensteinbehandlung, die schnittfreie Alternative auf der RIRS-Seite.
Behandlung in Bursa, Türkei
Op. Dr. Mücahit Kabar studierte Medizin an der Medizinischen Fakultät der Uludağ-Universität in Bursa und absolvierte seine Facharztausbildung an der Urologischen Klinik des Ausbildungs- und Forschungskrankenhauses Ankara. Er hat wissenschaftliche Arbeiten zur laparoskopisch unterstützten perkutanen Nephrolitholapaxie bei ektopen Beckennieren und zu einer seltenen Komplikation während der PCNL in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. In Bursa-Nilüfer untersucht er Patienten mit großen Nierensteinen im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (werktags 08:30–12:00 Uhr) und im Özel Jimer Hastanesi (werktags 13:00–17:00 Uhr).
Die Sprechstunde findet auf Englisch oder Türkisch statt; die Abteilungen für internationale Patienten der Kliniken können Dolmetscher, Transfers und Unterkunft organisieren. Senden Sie Ihre Befunde vorab per WhatsApp an +90 541 622 54 82, um Ihren Aufenthalt zu planen. Mehr zu Anreise und Ablauf lesen Sie auf der Seite für internationale Patienten; Termine und Adressen finden Sie auf der Kontaktseite.