Was ist eine Harnröhrenstriktur?
Die Harnröhre (Urethra) leitet den Urin aus der Harnblase nach außen. Bei einer Harnröhrenstriktur bildet sich in einem Abschnitt dieses Kanals Narbengewebe (Fibrose), wodurch sich sein Durchmesser verengt. Der Urin passiert die Engstelle nur mit Mühe; der Strahl wird dünner und schwächer, und die Blase entleert sich nicht vollständig.
Beim Mann ist die Harnröhre etwa 18–20 cm lang, und eine Striktur kann an jeder Stelle entstehen. Am häufigsten betroffen ist die bulbäre Harnröhre im Bereich zwischen Peniswurzel und After. Bei Frauen sind Harnröhrenstrikturen selten. Lage, Länge und Ursache der Striktur sind die wichtigsten Faktoren, die die Wahl der Behandlung unmittelbar bestimmen.
Ursachen der Harnröhrenstriktur
Bei manchen Patienten lässt sich keine eindeutige Ursache finden (idiopathische Striktur). Die wichtigsten bekannten Ursachen sind:
- Verletzungen: Ein Sturz im Reitsitz (z. B. auf eine Fahrradstange oder ein Geländer) kann die bulbäre Harnröhre verletzen; Beckenbrüche bei schweren Verkehrsunfällen können die blasennahe hintere Harnröhre schädigen.
- Katheter und endoskopische urologische Eingriffe: Nach längerer Katheterbehandlung, schwieriger Katheteranlage oder Eingriffen durch die Harnröhre wie der transurethralen Prostataoperation oder der Zystoskopie kann sich eine Striktur bilden.
- Infektionen: Insbesondere früher nicht ausreichend behandelte, sexuell übertragbare Harnröhrenentzündungen (z. B. Gonorrhö/Tripper) können zu einer Striktur führen.
- Lichen sclerosus: Eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die Eichel und Vorhaut betrifft. Sie kann lange Strikturen an der Harnröhrenöffnung (Meatus) und in der penilen Harnröhre verursachen.
- Angeborene Ursachen und frühere Operationen: Auch nach Operationen im Kindesalter, etwa der Korrektur einer Hypospadie, kann eine Striktur auftreten.
Symptome
Da sich die Striktur langsam entwickelt, beginnen die Beschwerden oft schleichend, und man gewöhnt sich mit der Zeit an den schwächer werdenden Strahl. Häufige Symptome:
- Schwacher, dünner oder gespaltener (gestreuter) Harnstrahl
- Schwierigkeiten, das Wasserlassen zu beginnen, und Notwendigkeit zu pressen
- Verlängerte Miktionszeit, Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
- Nachträufeln nach dem Wasserlassen
- Häufiges Wasserlassen und nächtlicher Harndrang
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen, manchmal Blut im Urin
Da ein Teil dieser Beschwerden auch bei einer Prostatavergrößerung auftreten kann, sollte ein schwacher Harnstrahl – besonders bei jüngeren Männern – immer auch im Hinblick auf eine Harnröhrenstriktur abgeklärt werden. Die völlige Unfähigkeit, Wasser zu lassen (akuter Harnverhalt), ist ein Notfall; bei diesen Patienten sollte nicht versucht werden, einen Katheter mit Gewalt durch die Engstelle zu schieben – bei Bedarf wird vorübergehend ein Katheter durch die Bauchdecke in die Blase gelegt (suprapubische Zystostomie).
Harnröhrenstriktur oder Prostatavergrößerung?
Schwacher Harnstrahl, häufiges Wasserlassen und das Gefühl unvollständiger Blasenentleerung können sowohl bei einer Harnröhrenstriktur als auch bei einer Prostatavergrößerung auftreten. Deshalb werden beide Erkrankungen gelegentlich verwechselt. Einige Hinweise helfen bei der Unterscheidung:
- Alter: Eine Prostatavergrößerung wird meist erst nach dem 50. Lebensjahr deutlich. Bei einem jüngeren Mann mit schwachem Harnstrahl sollte unbedingt an eine Harnröhrenstriktur gedacht werden.
- Vorgeschichte: Frühere Verletzungen, Katheteranlagen, eine transurethrale Prostataoperation oder eine sexuell übertragbare Infektion erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Striktur.
- Ansprechen auf Medikamente: Bringen die Medikamente gegen Prostatavergrößerung keine deutliche Besserung, erhärtet das den Verdacht auf eine Striktur.
- Flusskurve: Eine lange, abgeflachte Kurve in der Uroflowmetrie spricht eher für eine Striktur.
Die Unterscheidung wird durch Urethrografie und Zystoskopie gesichert. Beide Erkrankungen können auch gleichzeitig vorliegen; insbesondere bei geplanter Prostataoperation verändert eine vorher bekannte begleitende Striktur den Behandlungsplan. Ausführliche Informationen zur Prostatavergrößerung finden Sie auf der Seite Behandlung der Prostatavergrößerung.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Bei der Untersuchung werden Dauer der Beschwerden, frühere Verletzungen, Katheter und Operationen erfragt. Für Diagnose und Behandlungsplanung werden folgende Untersuchungen eingesetzt:
- Uroflowmetrie (Harnstrahlmessung): Der Patient uriniert in ein spezielles Gerät; Flussrate und Form der Flusskurve werden aufgezeichnet. Bei einer Striktur zeigt sich typischerweise eine niedrige, abgeflachte Kurve.
- Restharnmessung: Mit Ultraschall wird die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibende Urinmenge gemessen.
- Retrograde Urethrografie: Röntgenaufnahme nach Gabe von Kontrastmittel über die Harnröhrenöffnung. Sie zeigt Lage, Länge und Anzahl der Strikturen; bei Bedarf wird sie mit einer Aufnahme während des Wasserlassens (Miktionszystourethrografie) kombiniert.
- Zystoskopie (Urethroskopie): Die Harnröhre wird mit einer dünnen Kamera von innen betrachtet; Aussehen und Durchmesser der Striktur werden direkt beurteilt. Einzelheiten finden Sie auf der Seite Zystoskopie.
- Urinuntersuchung und Urinkultur: Eine begleitende Infektion wird vor der Behandlung behandelt.
Behandlungsmöglichkeiten bei Harnröhrenstriktur
Die Behandlung wird nach der Untersuchung individuell geplant – unter Berücksichtigung von Lage, Länge und Ursache der Striktur, früheren Eingriffen und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Dilatation (Aufdehnung)
Die Striktur wird mit schrittweise dicker werdenden dünnen Instrumenten oder mit einem Ballon aufgedehnt. Dies kann bei kurzen und feinen Strikturen, bei Patienten, die für eine Operation nicht geeignet sind, oder zur vorübergehenden Linderung eingesetzt werden. Da das Narbengewebe bestehen bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Engstelle erneut bildet, hoch.
Urethrotomia interna (DVIU)
Bei der Urethrotomia interna unter Sicht (Sichturethrotomie) wird die Engstelle mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop von innen mit einem kalten Messer (oder einem ähnlichen Schneideinstrument) eröffnet. Ein Hautschnitt ist nicht nötig, der Eingriff dauert meist nur kurz, und danach bleibt einige Tage ein Katheter liegen.
Am besten geeignet ist das Verfahren für kurze, erstmals aufgetretene Strikturen der bulbären Harnröhre. Bei langen Strikturen, Strikturen der penilen Harnröhre und nach bereits erfolgter Urethrotomie steigt die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs deutlich. Auch die aktuellen Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) sehen vor, bei wiederkehrenden Strikturen statt einer wiederholten endoskopischen Behandlung eine Urethroplastik in Betracht zu ziehen. Bei manchen Patienten kann nach der Urethrotomie empfohlen werden, für eine gewisse Zeit selbst regelmäßig einen dünnen Katheter einzuführen (intermittierende Selbstkalibrierung).
Urethroplastik (operative Rekonstruktion der Harnröhre)
Bei langen, wiederkehrenden oder auf endoskopische Behandlung nicht ansprechenden Strikturen wird zur dauerhaften Rekonstruktion eine Urethroplastik durchgeführt. Die Operation erfolgt meist über einen Schnitt im Bereich zwischen Peniswurzel und After (Damm).
- Anastomosen-Urethroplastik: Bei kurzen Strikturen wird der verengte Abschnitt vollständig entfernt, und die beiden gesunden Enden der Harnröhre werden spannungsfrei miteinander vernäht.
- Urethroplastik mit Mundschleimhaut: Bei längeren Strikturen wird ein dünnes Gewebestück von der Wangeninnenseite (Mundschleimhaut, bukkale Mukosa) als Flicken zur Erweiterung der Harnröhre verwendet. Da dieses Gewebe an ein feuchtes Milieu angepasst ist, wird es bei der Harnröhrenrekonstruktion häufig bevorzugt.
- Mehrzeitige Rekonstruktion: Bei langen penilen Strikturen infolge eines Lichen sclerosus oder in komplexen, bereits mehrfach voroperierten Situationen kann die Rekonstruktion in zwei Schritten erfolgen.
Bei kurzen Strikturen an der Harnröhrenöffnung (Meatusstenose) lässt sich das Problem dagegen mit einem kleineren Eingriff (Meatotomie oder Meatoplastik) lösen.
Ablauf und Heilung
Nach einer Urethrotomia interna können die Patienten meist nach kurzer Zeit entlassen werden, und der Katheter wird nach einigen Tagen entfernt. Nach einer Urethroplastik dauert der Klinikaufenthalt in der Regel einige Tage; zur Abheilung der Rekonstruktion bleibt der Katheter meist einige Wochen liegen, und vor der Entfernung wird bei Bedarf eine Kontrollaufnahme mit Kontrastmittel angefertigt. In dieser Zeit sollten Sie für eine Weile schweres Heben, Radfahren und Geschlechtsverkehr vermeiden. Bei Patienten mit Mundschleimhaut-Transplantat heilt die Entnahmestelle im Mund innerhalb weniger Wochen ab.
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie bei jedem Eingriff bestehen Risiken durch Blutung, Infektion und Narkose. Darüber hinaus:
- Erneute Striktur (Rezidiv) – bei endoskopischen Verfahren wahrscheinlicher
- Nachträufeln nach dem Wasserlassen
- Nach Urethroplastik vorübergehendes Taubheitsgefühl im Operationsgebiet, selten Penisverkrümmung oder Veränderungen der Erektion
- Vorübergehende Schmerzen, Taubheit oder Spannungsgefühl an der Entnahmestelle der Mundschleimhaut
Diese Risiken und die für Ihre persönliche Situation geeignete Option werden bei der Untersuchung ausführlich besprochen.
Nachsorge nach der Behandlung
Nach der Behandlung werden die Beschwerden erfragt, und Harnstrahl (Uroflowmetrie) sowie Restharnmenge werden in regelmäßigen Abständen gemessen. Bei Bedarf werden Zystoskopie oder Urethrografie wiederholt. Da sich ein Teil der Strikturen Monate oder Jahre später erneut bilden kann, ist es wichtig, bei einem wieder schwächer werdenden Harnstrahl ohne Abwarten zur Kontrolle zu kommen.
Behandlung in Bursa, Türkei
Op. Dr. Mücahit Kabar hat Medizin an der Medizinischen Fakultät der Uludağ-Universität studiert und seine Facharztausbildung in Urologie am Ankara Training and Research Hospital (Ankara Eğitim ve Araştırma Hastanesi) abgeschlossen. Er untersucht Patienten mit schwachem Harnstrahl und Harnröhrenstriktur in Bursa-Nilüfer an zwei Kliniken: im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (werktags 08:30–12:00 Uhr, +90 444 8 112) und im Özel Jimer Hastanesi (werktags 13:00–17:00 Uhr, +90 444 45 67). Ob eine endoskopische Urethrotomie oder eine Urethroplastik in Frage kommt, wird anhand der Untersuchungsergebnisse gemeinsam mit dem Patienten geplant.
Die Sprechstunde findet auf Englisch oder Türkisch statt. Die Abteilungen für internationale Patienten der Kliniken, die über die Zulassung für Gesundheitstourismus in der Türkei verfügen, helfen bei Bedarf mit Dolmetschern, Transfers und Unterkunft. Ihren Termin buchen Sie über die Online-Terminbuchung oder die Terminhotline des Krankenhauses: werktags von 08:30 bis 12:00 Uhr im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (+90 444 8 112), von 13:00 bis 17:00 Uhr im Özel Jimer Hastanesi (+90 444 45 67). Für Fragen und um vorhandene Befunde vorab zu senden, steht Ihnen WhatsApp (+90 541 622 54 82) zur Verfügung. Die endgültige Behandlungsentscheidung fällt nach der Untersuchung vor Ort. Mehr dazu auf der Seite für Patienten aus dem Ausland und auf der Kontaktseite.