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Allgemeine Urologie

Blut im Urin (Hämaturie): Ursachen und wann es wichtig ist

Mögliche Ursachen für sichtbares oder im Labor festgestelltes Blut im Urin, welche Untersuchungen durchgeführt werden und wann Sie ohne Abwarten zum Arzt gehen sollten.

Op. Dr. Mücahit Kabar
Op. Dr. Mücahit Kabar · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Blut im Urin (Hämaturie) geht meist auf behandelbare Ursachen wie eine Harnwegsinfektion, einen Nierenstein oder eine Prostatavergrößerung zurück; besonders bei Menschen über 40 und bei Rauchern kann es aber auch das erste Anzeichen eines Blasen- oder Nierentumors sein. Sichtbares Blut im Urin sollte von einem Urologen abgeklärt werden, auch wenn es nur einmal auftrat und schmerzlos war. Zur Diagnose dienen Urinuntersuchung, Bildgebung und bei Bedarf eine Blasenspiegelung (Zystoskopie).

Wenn der Urin rosa, rot oder colafarben aussieht, macht das den meisten Menschen zu Recht Sorgen. Blut im Urin (Hämaturie) hat meist eine behandelbare Ursache, ist aber in jedem Fall ein Befund, der abgeklärt werden sollte. In diesem Beitrag finden Sie die möglichen Ursachen für Blut im Urin, die üblichen Untersuchungen und die Situationen, in denen Sie nicht abwarten sollten.

Was ist eine Hämaturie, und welche Formen gibt es?

Eine Hämaturie bedeutet, dass sich mehr rote Blutkörperchen im Urin befinden als normal. Sie zeigt sich auf zwei Arten:

  • Sichtbare (makroskopische) Hämaturie: Der Urin sieht rosa, rot oder dunkelbraun aus. Manchmal finden sich auch Blutgerinnsel.
  • Mikroskopische Hämaturie: Der Urin hat eine normale Farbe; das Blut wird nur bei einer Urinuntersuchung festgestellt.

Die bei Routineuntersuchungen verwendeten Teststreifen (Urinstix) können irreführende Ergebnisse liefern. Zeigt der Teststreifen Blut an, sollte das Ergebnis daher durch eine mikroskopische Untersuchung des Urins bestätigt werden.

Was verursacht Blut im Urin?

Blut im Urin kann aus den Nieren, den Harnleitern, der Blase, der Prostata oder der Harnröhre stammen. Häufige Ursachen sind:

  • Harnwegsinfektion: Kann mit Brennen, häufigem Wasserlassen und plötzlichem Harndrang einhergehen. Details finden Sie auf der Seite Harnwegsinfektion.
  • Nieren- oder Harnleiterstein: Wenn sich der Stein bewegt, reizt er die Harnwege; zur Blutung kommen meist Flankenschmerzen. Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Seite Nierensteinbehandlung.
  • Prostatavergrößerung: Die Blutgefäße im vergrößerten Prostatagewebe können gelegentlich bluten.
  • Blasentumoren: Besonders eine schmerzlose, sichtbare Blutung ist das typischste Anzeichen von Blasenkrebs. Rauchen ist der wichtigste bekannte Risikofaktor. Details finden Sie auf der Seite Blasenkrebs.
  • Nierentumoren: Werden meist zufällig ohne Symptome entdeckt; manchmal machen sie sich durch Blut im Urin bemerkbar.
  • Nierenerkrankungen (Glomerulopathien): Gehen mit Blut im Urin auch Eiweißverlust, Bluthochdruck oder Wassereinlagerungen einher, kann eine nephrologische Abklärung auf Nierenerkrankungen nötig sein.
  • Intensiver Sport und Verletzungen: Schwere Belastungen wie lange Läufe oder Schläge auf die Lendengegend können eine vorübergehende Blutung verursachen.
  • Urologische Eingriffe: Nach einem Katheter, einer Steinoperation oder einer Prostatabiopsie kann eine Zeit lang Blut im Urin auftreten.

Bedeutet roter Urin immer Blut?

Nein. Lebensmittel wie Rote Bete oder Brombeeren, bestimmte Medikamente und Zustände wie ein Muskelzerfall können den Urin rot färben. Bei Frauen kann auch Menstruationsblut im Urin täuschen. Die Urinuntersuchung sollte daher außerhalb der Periode und mit richtig gewonnenem Mittelstrahlurin durchgeführt werden.

Geben Farbe und Zeitpunkt der Blutung Hinweise?

Die Merkmale der Blutung können Hinweise auf ihre Herkunft geben, ermöglichen für sich allein aber keine Diagnose. Bei der Untersuchung werden Ihnen möglicherweise folgende Fragen gestellt:

  • In welchem Teil des Harnstrahls ist das Blut? Blut nur zu Beginn des Wasserlassens stammt eher aus Harnröhre oder Prostata, Blut nur am Ende aus dem Blasenhals; Blut, das dem gesamten Urin beigemischt ist, kann aus Blase, Harnleitern oder Nieren stammen.
  • Welche Farbe hat es? Hellrot spricht für eine frische Blutung, dunkelbraun oder colafarben eher für eine ältere Blutung oder ein Problem der Niere.
  • Gibt es Gerinnsel, und welche Form haben sie? Dünne, wurmförmige Gerinnsel deuten auf eine Blutung aus den oberen Harnwegen hin, große, unregelmäßige Gerinnsel eher auf eine Blutung aus der Blase.
  • Gibt es Schmerzen? Blutung mit Flankenschmerzen spricht für einen Stein, Blutung mit Brennen und Harndrang für eine Infektion. Eine schmerzlose Blutung sollte dagegen unbedingt gründlich abgeklärt werden.

Es erleichtert die Beurteilung, wenn Sie sich diese Angaben notieren und, wenn möglich, ein Foto des blutigen Urins machen.

Ist Blut im Urin bei Einnahme von Blutverdünnern normal?

Blutverdünnende Medikamente begünstigen Blutungen, gelten aber nicht als einzige Erklärung für Blut im Urin. Auch bei Menschen, die diese Medikamente einnehmen, sollte bei einer Blutung nach einem zugrunde liegenden Stein, einer Infektion oder einem Tumor gesucht werden. Setzen Sie Ihr Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.

Welche Untersuchungen werden bei Blut im Urin durchgeführt?

Die Abklärung richtet sich danach, ob die Blutung sichtbar ist, nach Alter, Rauchen und Begleitbeschwerden. Häufig eingesetzte Untersuchungen:

  1. Urinuntersuchung und Urinkultur: Bestätigen die Blutung und suchen nach einer Infektion.
  2. Blutuntersuchungen: Nierenwerte und bei Bedarf Gerinnungswerte werden geprüft.
  3. Ultraschall: Nieren und Blase werden ohne Strahlenbelastung beurteilt.
  4. Computertomographie (CT-Urographie): Zeigt besonders bei sichtbarer Blutung Nieren und Harnleiter im Detail.
  5. Blasenspiegelung (Zystoskopie): Das Innere der Blase wird mit einer dünnen Kamera direkt betrachtet. Sie ist die grundlegende Methode zum Nachweis von Blasentumoren. Informationen zum Eingriff finden Sie auf der Seite Zystoskopie.
  6. Urinzytologie: Bei manchen Patienten wird eine Untersuchung der Zellen im Urin veranlasst.

Bei infektionsbedingten Blutungen ist eine Kontrolluntersuchung nach der Behandlung wichtig. Hält die Blutung auch nach der Behandlung der Infektion an, ist eine weitere Abklärung nötig.

Wann sollten Sie sofort in die Notaufnahme?

Suchen Sie ohne Zeitverlust eine Notaufnahme auf, wenn eine der folgenden Situationen vorliegt:

  • Sie haben Blutgerinnsel im Urin und Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder können gar kein Wasser lassen
  • Zur Blutung kommen Fieber, Schüttelfrost und Flankenschmerzen
  • Sie haben unerträgliche Flanken- oder Bauchschmerzen
  • Die Blutung ist stark, und es treten Beschwerden wie Schwindel, Schwäche oder Herzrasen auf
  • Die Blutung hat nach einem Schlag auf die Lenden- oder Bauchgegend begonnen

Wann sollten Sie einen Urologen aufsuchen?

Auch ohne Notfall sollte in folgenden Fällen eine urologische Untersuchung geplant werden:

  • Wenn sichtbares Blut im Urin auch nur einmal aufgetreten ist, selbst wenn es von selbst verschwunden ist
  • Wenn bei wiederholten Untersuchungen eine mikroskopische Blutung festgestellt wurde
  • Wenn Sie über 40 Jahre alt sind, rauchen oder früher geraucht haben
  • Wenn Sie lange in Branchen wie der Farb-, Chemie- oder Gummiindustrie gearbeitet haben
  • Wenn mit dem Blut im Urin auch häufiges Wasserlassen, Brennen oder ein schwächerer Harnstrahl einhergehen

Bei ähnlichen Beschwerden lesen Sie auch unsere Beiträge Brennen beim Wasserlassen und Nierenschmerzen erkennen.

Op. Dr. Mücahit Kabar empfängt Patienten in Bursa (Nilüfer), Türkei, im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (werktags 08:30–12:00 Uhr, +90 444 8 112) und im Özel Jimer Hastanesi (werktags 13:00–17:00 Uhr, +90 444 45 67). Termine buchen Sie über die Online-Terminbuchung oder die Terminhotline des jeweiligen Krankenhauses. Die Sprechstunde findet auf Englisch oder Türkisch statt; die Abteilungen für internationale Patienten der Kliniken organisieren bei Bedarf einen Dolmetscher. Fragen und vorhandene Befunde können Sie vorab per WhatsApp (+90 541 622 54 82) senden. Alle Kontaktdaten finden Sie auf der Kontaktseite.

Häufige Fragen

Ich hatte einmal Blut im Urin, danach war es weg. Sollte ich trotzdem zum Arzt?

Ja. Auch wenn eine sichtbare Blutung von selbst aufhört, kann die zugrunde liegende Ursache weiterbestehen. Besonders eine schmerzlose Blutung ist ein typisches Zeichen von Blasentumoren und sollte unbedingt von einem Urologen abgeklärt werden.

Im Labor wurde Blut im Urin gefunden, aber ich habe keine Beschwerden. Was soll ich tun?

Blut, das im Teststreifen (Urinstix) nachgewiesen wird, sollte durch eine mikroskopische Untersuchung bestätigt werden. Bestätigt sich die Blutung, wird je nach Alter, Rauchen und anderen Risikofaktoren eine Abklärung mit Ultraschall, Computertomographie und bei Bedarf einer Blasenspiegelung geplant.

Ich nehme einen Blutverdünner. Kommt das Blut im Urin davon?

Blutverdünner können Blutungen begünstigen, gelten aber nicht als alleinige Ursache. Auch bei Menschen, die diese Medikamente einnehmen, sollte bei Blut im Urin nach einem zugrunde liegenden Stein, einer Infektion oder einem Tumor gesucht werden. Setzen Sie Ihr Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.

Nach dem Essen von Roter Bete war mein Urin rot. Ist das Blut?

Nicht unbedingt. Manche Lebensmittel wie Rote Bete oder Brombeeren und bestimmte Medikamente können den Urin rötlich färben. Eine einfache Urinuntersuchung zeigt, ob die Farbe von Blut oder von einem anderen Stoff stammt.

Diese Seite wurde von Op. Dr. Mücahit Kabar zur allgemeinen Information erstellt und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Welche Diagnostik und Behandlung für Sie geeignet ist, wird nach Untersuchung und Befunden festgelegt.

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