Nächtliches Wasserlassen (Nykturie): Was sind die Ursachen?
Wie oft ist nächtliches Wasserlassen normal, welche Ursachen außer der Prostata gibt es und wie lassen sich die Beschwerden verringern?
Kurz gesagt
Nykturie bedeutet, nachts aus dem Schlaf aufzuwachen, um Wasser zu lassen; zwei oder mehr Toilettengänge pro Nacht gelten meist als störend. Ursachen sind eine vermehrte nächtliche Urinproduktion (Trinken und Koffein am Abend, Diabetes, Herzschwäche, Schlafapnoe), eine verringerte Blasenkapazität (Prostatavergrößerung, überaktive Blase) und Schlafstörungen. Für die richtige Behandlung muss die Ursache zunächst mit einem Blasentagebuch über einige Tage bestimmt werden.
Wer nachts immer wieder zur Toilette muss, schläft unruhig, ist tagsüber müde und hat – vor allem im höheren Alter – ein erhöhtes Risiko für nächtliche Stürze. Der medizinische Name für diese Beschwerde ist Nykturie, und anders als oft angenommen liegt sie nicht nur an der Prostata. In diesem Beitrag erklären wir die Ursachen der Nykturie, wie sie abgeklärt wird und was Sie tun können.
Was ist Nykturie, und wie oft ist nächtliches Wasserlassen normal?
Nykturie bedeutet, nachts aus dem Schlaf aufzuwachen, um Wasser zu lassen. Vor und nach jedem Toilettengang muss Schlaf liegen; der erste Toilettengang nach dem morgendlichen Aufwachen zählt nicht als Nykturie.
Einmal pro Nacht aufzustehen ist besonders nach dem 60. Lebensjahr sehr verbreitet und bei den meisten Menschen unproblematisch. Zwei oder mehr Toilettengänge pro Nacht beeinträchtigen dagegen meist die Schlafqualität, und die Ursache sollte abgeklärt werden.
Was verursacht häufiges nächtliches Wasserlassen?
Die Ursachen der Nykturie lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen.
1. Vermehrte Urinproduktion in der Nacht (nächtliche Polyurie)
Der Körper bildet nachts mehr Urin als üblich. Wenn bei älteren Menschen mehr als ein Drittel der täglichen Urinmenge nachts ausgeschieden wird, spricht dies für diese Form. Mögliche Ursachen:
- Viel Flüssigkeit, Tee, Kaffee oder Alkohol in den Abendstunden
- Am Abend eingenommene entwässernde Medikamente
- Herzschwäche und Wassereinlagerungen in den Beinen: Flüssigkeit, die sich tagsüber in den Beinen ansammelt, gelangt im Liegen zurück in den Kreislauf und wird von den Nieren zu Urin verarbeitet.
- Schlafapnoe: Atemaussetzer im Schlaf können die nächtliche Urinproduktion steigern.
- Die mit dem Alter nachlassende Wirkung des Hormons, das nachts die Urinproduktion drosselt (antidiuretisches Hormon)
2. Vermehrte Urinproduktion über den ganzen Tag
Die gesamte Urinmenge ist sowohl tagsüber als auch nachts erhöht. Diabetes, übermäßiges Trinken und bestimmte Nierenerkrankungen gehören in diese Gruppe.
3. Die Blase kann nur wenig Urin speichern
- Gutartige Prostatavergrößerung: Die Blase entleert sich nicht vollständig und ist schnell wieder voll. Details finden Sie auf der Seite Behandlung der Prostatavergrößerung.
- Überaktive Blase (Reizblase): Mit plötzlichem Harndrang und manchmal Harninkontinenz.
- Harnwegsinfektion, Blasenstein oder Blasenschmerzsyndrom
Darüber hinaus neigen Menschen, die aus anderen Gründen wie Schlaflosigkeit, Ängsten oder Schmerzen aufwachen, dazu, bei dieser Gelegenheit auf die Toilette zu gehen. In diesem Fall ist nicht der Urin, sondern der Schlaf das eigentliche Problem.
Nykturie bei Frauen
Nykturie ist kein reines Männerproblem. Bei Frauen können eine überaktive Blase, Veränderungen des Gewebes der Harnwege in den Wechseljahren, eine Senkung der Beckenorgane, wiederkehrende Harnwegsinfektionen und eine Schwangerschaft das nächtliche Wasserlassen verstärken. Abklärung und Empfehlungen zum Lebensstil sind weitgehend dieselben wie bei Männern; die Behandlung richtet sich nach der festgestellten Ursache.
Wie wirkt sich häufiges nächtliches Wasserlassen auf die Gesundheit aus?
Nykturie ist nicht nur lästig; sie kann die Lebensqualität in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen:
- Unterbrochener Schlaf: Wenn der Tiefschlaf immer wieder unterbrochen wird, führt das zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsproblemen und Antriebslosigkeit.
- Sturzgefahr: Besonders bei älteren Menschen erhöht der Weg zur Toilette im Dunkeln und schlaftrunken das Risiko für Stürze und Knochenbrüche.
- Stimmung: Anhaltender Schlafmangel kann Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit verstärken.
- Schlaf des Partners: Häufiges Aufstehen stört oft auch den Schlaf des Partners oder der Partnerin.
Außerdem kann Nykturie das erste Anzeichen einer noch nicht erkannten Erkrankung wie Diabetes, Herzschwäche oder Schlafapnoe sein. Statt sie als „Alterserscheinung“ abzutun, sollte daher die Ursache abgeklärt werden. Den Weg zur Toilette zu beleuchten, rutschige Teppiche zu entfernen und nicht abrupt aufzustehen, sind einfache Maßnahmen, die das Sturzrisiko verringern.
Wie findet man die Ursache für nächtliches Wasserlassen?
Das wertvollste Hilfsmittel bei Nykturie ist das Blasentagebuch (Miktionsprotokoll). Mindestens drei Tage lang werden notiert:
- Uhrzeit und Menge jedes Getränks,
- Uhrzeit und Menge jeder Blasenentleerung (mit einem Messbecher),
- Zeiten des Zubettgehens und Aufstehens.
Diese Aufzeichnung zeigt in vielen Fällen, ob das Problem auf einer vermehrten Urinproduktion oder auf der Blasenkapazität beruht.
Zusätzlich werden eine Urinuntersuchung, der Blutzucker, die Nierenwerte, bei Bedarf der Natriumspiegel im Blut, bei Männern gegebenenfalls der PSA-Wert sowie per Ultraschall die nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibende Restharnmenge beurteilt. Bei Bedarf wird eine kardiologische oder schlafmedizinische Untersuchung veranlasst.
Was hilft gegen nächtliches Wasserlassen?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei den meisten Menschen werden zuerst Änderungen des Lebensstils versucht:
- Trinken Sie in den 2–3 Stunden vor dem Schlafengehen weniger.
- Verzichten Sie in den Abendstunden auf Koffein und Alkohol.
- Entleeren Sie Ihre Blase direkt vor dem Zubettgehen.
- Wenn Ihre Beine geschwollen sind, legen Sie sie am Nachmittag eine Zeit lang hoch; tragen Sie Kompressionsstrümpfe, wenn Ihr Arzt dies für sinnvoll hält.
- Wenn Sie entwässernde Medikamente einnehmen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über den Einnahmezeitpunkt, statt ihn eigenmächtig zu ändern.
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus; berichten Sie Ihrem Arzt von Schnarchen und Tagesmüdigkeit.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können je nach Ursache Medikamente gegen Prostatavergrößerung oder überaktive Blase oder Medikamente, die die nächtliche Urinproduktion verringern, eingesetzt werden. Medikamente, die die nächtliche Urinproduktion verringern, können besonders im höheren Alter den Natriumspiegel im Blut senken und erfordern daher engmaschige Blutkontrollen. Bei ausgeprägten Beschwerden durch eine Prostatavergrößerung kommen auch operative Behandlungen in Frage.
Wann sollten Sie sofort in die Notaufnahme?
- Wenn Sie gar kein Wasser mehr lassen können oder eine Schwellung und Schmerzen im Unterbauch haben
- Bei Fieber, Schüttelfrost, Flankenschmerzen oder deutlich sichtbarem Blut im Urin
- Wenn das nächtliche Wasserlassen mit Atemnot, im Liegen zunehmendem Husten oder rasch zunehmender Schwellung der Beine einhergeht
- Wenn starker Durst, häufiges Wasserlassen und Schwäche rasch zugenommen haben
Wann sollten Sie einen Urologen aufsuchen?
Eine urologische Untersuchung ist sinnvoll, wenn Sie nachts zwei- oder mehrmals aufstehen und dies Ihren Schlaf und Ihren Alltag beeinträchtigt, wenn Ihr Harnstrahl schwächer geworden ist, Sie auch tagsüber häufig Wasser lassen müssen oder Urin verlieren. Wenn Sie zur Untersuchung ein Blasentagebuch über einige Tage mitbringen, beschleunigt das die Beurteilung.
Op. Dr. Mücahit Kabar empfängt Patienten in Bursa (Nilüfer), Türkei, im Özel Medicabil Nilüfer Hastanesi (werktags 08:30–12:00 Uhr, +90 444 8 112) und im Özel Jimer Hastanesi (werktags 13:00–17:00 Uhr, +90 444 45 67). Termine buchen Sie über die Online-Terminbuchung oder die Terminhotline des jeweiligen Krankenhauses. Die Sprechstunde findet auf Englisch oder Türkisch statt; die Abteilungen für internationale Patienten der Kliniken organisieren bei Bedarf einen Dolmetscher. Fragen und vorhandene Befunde können Sie vorab per WhatsApp (+90 541 622 54 82) senden. Alle Kontaktdaten finden Sie auf der Kontaktseite.
Häufige Fragen
Ist es normal, nachts einmal zur Toilette zu müssen?
Einmal pro Nacht zum Wasserlassen aufzustehen ist vor allem im höheren Alter häufig und meist unproblematisch. Zwei oder mehr Toilettengänge pro Nacht können dagegen die Schlafqualität beeinträchtigen, und die Ursache sollte abgeklärt werden.
Liegt häufiges nächtliches Wasserlassen nur an der Prostata?
Nein. Bei Männern ist die Prostatavergrößerung eine häufige Ursache, aber auch eine vermehrte nächtliche Urinproduktion, Diabetes, Herzschwäche, Schlafapnoe und Medikamente führen zu Nykturie. Deshalb ist sie auch bei Frauen häufig.
Hilft es, abends nichts mehr zu trinken?
Bei vielen Menschen hilft es, in den letzten Stunden vor dem Schlafengehen weniger Flüssigkeit, Tee, Kaffee und Alkohol zu sich zu nehmen. Die Gesamttrinkmenge des Tages sollte aber nicht übermäßig eingeschränkt werden; bleiben die Beschwerden bestehen, sollte die zugrunde liegende Ursache abgeklärt werden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schnarchen und nächtlichem Wasserlassen?
Ja, das ist möglich. Bei der Schlafapnoe belasten die Atemaussetzer das Herz, das daraufhin ein Hormon ausschüttet, das die nächtliche Urinproduktion steigert. Bei lautem Schnarchen, von anderen beobachteten Atemaussetzern und Tagesmüdigkeit wird eine schlafmedizinische Abklärung empfohlen.
Diese Seite wurde von Op. Dr. Mücahit Kabar zur allgemeinen Information erstellt und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Welche Diagnostik und Behandlung für Sie geeignet ist, wird nach Untersuchung und Befunden festgelegt.